Montag, 17. August 2009

Was Pfaue, Köche und Frauen gemeinsam haben…

Es gibt einen ganz bestimmten Grund warum wir in Kauf nehmen nur kleine Schritte machen zu können, Fußschmerzen zu haben und nachher unseren Rücken deutlicher zu spüren.
Dabei könnten wir es viel einfacher haben und bequeme flache Schuhe tragen.

Aber nicht nur wir Frauen machen uns das Leben schwer. Ich habe mich schon öfters gefragt warum z.B. Köche ausgerechnet weiße Schürzen tragen, wo sie doch ständig der Gefahr ausgesetzt sind mit Eigelb, Schokolade und Tomatensaft hartnäckige Flecke zu verursachen.

Man glaubt es kaum, aber es ist genau aus dem selben Grund aus dem wir Frauen uns mit Stilettos durch die Welt quälen. Weil es wirkt!
Tatsächlich erfüllt diese freiwillige Behinderung einen evolutionären Zweck. Das sogenannte Handicap-Prinzip. Dieses Prinzip geht auf das israelische Biologenpaar Amotz und Avishag Zahavi zurück, das die Theorie 1975 entwickelte. Die Beiden fragten sich unter anderem, was ein Wesen attraktiv macht und warum beispielsweise der Pfau diese wahnsinnig langen Federn hat, obwohl sie weder zum Fliegen taugen noch beim Stolzieren stützen. Bei ihren Beobachtungen fand das Forscherpaar heraus: Sexuelle Signale werden vom anderen Geschlecht vor allem dann als besonders wertvoll eingestuft, wenn sie kostenintensiv erworben und gepflegt werden müssen. Ihre These: Der Pfau steckte in einer evolutionären Zwickmühle. Sein Schwanz behindere ihn zwar, aber ohne ihn pflanzt er sich nicht fort, weil die Weibchen umso mehr auf ihn fliegen, je größer sein – naja ihr wisst schon – ist.

Was das mit Köchen und Stilettos zu tun hat? Eine ganze Menge. Denn auch der Mensch steht vor dem Dilemma, dass er zeigen muss, was für ein toller Hecht er ist. Ob nun bei der Partnerbalz oder beim Buhlen um die nächste Beförderung. Auch er wählt dazu Behinderungen – beispielsweise mithilfe von Statussymbolen oder Markenprodukten. Viele davon sind völlig nutzlos oder stellen aufgrund ihres hohen Preises zumindest ein echtes Anschaffungshandicap dar. In einen Porsche muss sein Besitzer ziemlich viel Geld investieren, obwohl der ihn genauso gut von A nach B bringen kann wie ein Fiat Panda. Der einer sündhaften Handtasche ist ja auch nicht etwa der, dass man damit etwas bequem tragen kann. Vielmehr ist es der Eindruck eines erlesenen Geschmacks, eines nunmehr leeren Portemonaies und – falls das teure Teil besonders exklusiv ist – die Zugehörigkeit zur Klasse der Fashion-Victims, was die Trägerin signalisiert. Auch eng geknüpfte Kragen mit würgenden Krawatten oder feinste Stoffe, die man garantiert in keiner handelsüblichen Waschmaschine reinigen kann, sind solche Klassensymbole.

Wer das Prinzip erst einmal verinnerlicht hat, sieht es überall. Ständig wählt der Mensch freiwillig Behinderungen, um damit zugleich zu dokumentieren: Seht her, ich kann mir diesen Tand leisten! Und tatsächlich macht ihn vieles davon in den Augen seiner Mitmenschen attraktiver. Trippelnde Frauen in Stöckelschuhen genauso wie weiß beschürzte Köche. Denn nur der wahre Meister kocht so grandios, dass ihn selbst die weiße Weste nicht behindern kann.

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